Sophie von La Roche

Sophie von LaRoche Bönnigheim-Museum

Marie Sophie von La Roche geb. Gutermann von Gutershofen
* 6. Dezember 1730 in Kaufbeuren
† 18. Februar 1807 in Offenbach/Main
deutsche Schriftstellerin
Augsburger Zeit von 1743 bis 1750, kürzere Aufenthalte von 1752 – 1754

Jugend in Augsburg
Sophie Gutermann, am 6.12.1730 in Kaufbeuren geboren, wuchs in einer Zeit der geistigen Erneuerung auf. Ihr Vater, der Arzt Georg Friedrich Gutermann, zählte zum gebildeten Bürgertum. Er wurde 1741 Mitglied und später Dekan des medizinischen Kollegiums in Augsburg. Die Mutter Regina Barbara entstammte einem angesehenen Kaufbeurer Kaufmannsgeschlecht.
Bürgerliche Töchter hatten keinen Zugang zu zukunftsträchtigen Berufen durften an den nur Männern vorbehaltenen Universitäten nicht studieren. Noch galt der Satz Diderots: „Sie ist Mutter bevor sie etwas anderes sein kann“. Entsprechend lernteSophie alles Notwendige zur Führung eines wohlhabenden bürgerlichen Haushaltes, dazu kamen Sprachen, Literatur und Musik.
Die Familie Gutermann zog als Mieter in das Haus des Onkels väterlicherseits in der besten Wohngegend Augsburgs: ein mehrstöckiges, großbürgerliches Wohnhaus mit Dachterrasse neben dem Rathaus, heute Eisenberg 2.

Skizze des Hauses am Eisenberg im 19. Jahrhundert in Anlehnung an eine Zeichnung von R. Pfaud

Aufnahme des Hauses am Eisenberg aus dem Jahr 2010 Foto: Edith Findel

Erziehungsideale
Sophie hatte als begabtes erstgeborenes Kind ohne Bruder das Glück, dass ihr Vater sie in ihrer Wissbegierigkeit ein wenig förderte. Er lehrte sie das Lesen, wies sie in seine Bibliothek ein und präsentierte sie den wissenschaftlichen Kollegen im regelmäßigen dienstäglichen Kolloquium als seine „Bibliothekarin“. Der ihr aus Kaufbeuren bekannte und inzwischen nach Augsburg ans Gymnasium berufene Philosoph und Theologe Jakob Bruckerbot an, sie u.a. in Latein zu unterrichten. Ihr streng pietistischer Vater lehnte dies ab, mit der Begründung, er wolle kein gelehrtes Frauenzimmer. Sophiebedauerte ihr Leben lang, dass ihr gewisse Bildungsinhalte vorenthalten wurden.
Andererseits lernte sie vom Vater Astronomie, wenn sie gemeinsam auf dem Altan den Nachthimmel studierten. Nach den Gottesdiensten in St. Anna hielt der Vater sie dazu an, die Schriften von August Hermann Francke zu studieren. Ihre Mutter lehrte sie vor allem die „Ausbildung ihres Herzens“, wie sie später schreibt.

Prägende Erlebnisse
Bald nach ihrer Einführung in die Gesellschaft war sie umringt von Verehren, denn sie war eine gute Partie. Der fürstbischöfliche Leibarzt Ludovico Bianconi warb um sie und Sophie erwiderte die Zuneigung. Fasziniert von ihrem regen Geist unterwies er sie in italienischer Sprache, Mathematik, Geschichte und Kunst und förderte die Ausbildung ihrer Contra-Altstimme. Die Hochzeit jedochwurde wegen religiöser Differenzen zwischen Bianconi und ihrem Vater aufgeschoben.
Nach dem Tod der Mutter 1747 versorgte Sophie die kleineren Schwestern, während sich der Vater für ein Jahr auf Reisen begab.
Nach der Rückkehr des Vaters wurden die Heiratsverhandlungen wieder aufgenommen. Der Protestant Georg Friedrich Gutermann und der Katholik Bianconi konnten sich aber nicht einigen, in welcher Konfession die Kinder erzogen werden sollten. Als Folge der gescheiterten Verhandlungen löste der Vater die Verlobung und verbot Sophie jegliche Erinnerung an Bianconi. Dieser wollte sie zur Flucht überreden. Trotz ihrer Liebe zu Bianconi entschied sich Sophie jedoch zu bleiben und dem Vater zu folgen. Damals diente eine Heirat vornehmlich der materiellen Versorgung, Liebe spielte dabei nur eine untergeordnete Rolle. Und Sophie wusste, dass sie sich Bianconi ausliefern und ihr gesellschaftliches Ansehen einbüßen würde, wenn sie ihm und ihrer Liebe nachgäbe.

Innere Konflikte und neue Hoffnung
Der Konflikt, in dem sich Sophie in dieser Zeit befand, äußerte sich als tiefe „Melancholie“, zu deren Besserung sie zu den Großeltern nach Biberach geschickt wurde.Dort lernt sie ihren Vetter Christoph Martin Wieland kennen und lieben. Beide verband ein großes Interesse für Literatur, das durch einen regen Briefwechsel dokumentiert ist. Wieland schrieb später, dass er durch die Begegnung mit Sophie zur Schriftstellerei gefunden habe, und er war es, der später Sophie ermunterte, ihre Werke zu veröffentlichen. zu ihrem ersten Roman dem deutschsprachigen Briefroman „das Fräulein von Sternheim“ schreibt er das Vorwort. Ihre Freundschaft hielt ein Leben lang.
Weil eine Verlobung nicht zustande kam und der Vater wieder geheiratet hat, kehrte Sophie für kurze Zeit nach Augsburg zurück. Diese Zeit war geprägt vom gespannten Verhältnis zur Stiefmutter, der Versorgung der jüngeren Schwestern und dem Druck des Vaters, endlich zur heiraten. Bald gab Sophie Gutermann dem Werben des kurmainzischen Rats Georg Michael Frank von Lichtfeld, genannt La Roche nach und heiratete ihn 1754. Sie gehörte fortan dem Haushalt des Grafen Stadion in Warthausen an und stieg damit in höfische Kreise auf.

Die Erfahrungen, die sie in ihrer Jugend gemacht hatte, verarbeitete sie später in ihrem literarischen Werk.

Sekundärliteratur:
Assing, Ludmilla: Sophie von La Roche, die Freundin Wielands; Berlin 1859.
Feyl, Renate: Die profanen Stunden des Glücks, Wilhelm Heyne Verlag, 1996.
Langner, Margit: Sophie von La Roche – die empfindsame Realistin. Heidelberg 1995.
Meighörner, Jeannine: „Was ich als Frau dafür halte“ Sophie von La Roche, Deutschlands erste Bestsellerautorin, Erfurt 2006.
Strohmeyr, Armin: Sophie von La Roche, Eine Biographie. Leipzig 2006.