Die Erinnerung hat ihren festen Platz gefunden

Veröffentlicht am 12.4.2010 in der Augsburger Allgemeinen Zeitung
Von chmü

Sichtlich erfreut war Maria-Luise Bertram, als sie am Samstag eine Gedenktafel für die jüdische Familie Dann enthüllen durfte. Die Eltern und ihre vier Töchter lebten zwischen 1910 und 1939 in der Hochfeldstraße. Dass an die engagierte Familie erinnert wird, hatte sich die 80-jährige Bertram als Geschenk zu ihrem 80. Geburtstag gewünscht. Sie ist Mitglied des Frauengeschichtskreises Augsburg (wir berichteten).

Steinmetz Florian Freyer und Maria Luise Bertram

„Wir wollen Frauen ein Gesicht geben. Die Schwestern Sophie und Gertrud Dann haben ihre soziale Arbeit in Augsburg begonnen und nach der Flucht 1939 nach England dort fortgesetzt“, erklärte Bertram. Die beiden Frauen kümmerten sich in England um Waisenkinder aus dem Konzentrationslager Theresienstadt.

Ursprünglich sollte die Tafel an dem Gebäude in der Hochfeldstraße angebracht werden, in dem die Familie gelebt hatte. Weil die dortigen Eigentümer dies aber nicht wollten, hängt die von der Steinmetzfirma Roth und Freyer gestaltete Tafel aber nun einige Häuser weiter, wo Bertram lebt.

Die Schiefertafel ist laut Florian Freyer so entworfen worden, dass sich die Gravur beim Vorbeigehen nicht erschließt. „Die Menschen sollen sich damit auseinandersetzen und stehen bleiben“, erklärte er die Idee. Dankbar über die Würdigung zeigte sich auch Lotte Dann Teves, die Schwester von Gertrud und Sophie. Die 1912 geborene Medizinerin lebt in Rom und zeigte sich in einem Brief an Gernot Römer „unendlich dankbar für dieses Zeichen“. Der frühere Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen schrieb die Erinnerungen der vier Dann-Schwestern nieder. Das Buch wurde 1998 veröffentlicht.